Königsteiner Forum

2016 - Des Menschen Bild. Des Menschen Wert.

Die Wahl des Jahresthemas geht auf die Tatsache zurück, dass die Würde des Menschen und die Bewahrung seiner Rechte in der Welt gegenwärtig vermehrt unter die Räder kommen. Dabei gab es noch vor der Jahrtausendwende ganz andere Hoffnungen und Erwartungen. Nach dem 2. Weltkrieg schien zunächst die Versöhnung der früheren Kriegsgegner und das Projekt der europäischen Einigung eine Ära friedlichen Zusammenlebens einzuläuten. Allerdings geriet die Welt für Jahrzehnte in eine weltumspannende Auseinandersetzung der großen Blöcke, in der Menschenrechte und demokratische Entwicklung vielerorts versagt wurden. Das Ende des Ost-West-Konflikts, Entspannung und Abrüstung schienen einen neuen Aufbruch in eine bessere Welt möglich zu machen. Heute müssen wir jedoch feststellen:

• Mehrere Aufstandsbewegungen gegen repressive Regime sind im Nahen Osten, Afrika und einigen asiatischen Ländern in Kriege neueren Typs übergegangen. Diese werden mindestens auf der Oberfläche oft ethnisch oder religiös legitimiert. Sie gehen in der Praxis mit Tötungen, Vertreibungen und Fluchtbewegungen einher.

• Ein erstarkender religiöser Fundamentalismus, insbesondere islamistischer Prägung, hat weltweite Terrorgefahren und in Gestalt des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) regelrechte Eroberungskriege in Gang gesetzt. Diese sind mit Ausrottungsfeldzügen und Vertreibungen großen Stils verbunden.  Hinzu kommen Akte der Auslöschung von Elementen des kulturellen Erbes.

• Der Flächenbrand von Konflikten und regionalen Kriegen in Verbindung mit den fortbestehenden Wohlstandsunterschieden in der Welt haben eine bisher kaum gekannte Welle von Flucht und Migration geschaffen, die heute nicht zuletzt auf Europa trifft. Auf ein Europa, das im Zuge seiner Einigungsbestrebungen nationalstaatliche Abschottungen aufgegeben hat und zugleich auf europäischer Ebene immer noch keine funktionierende Staatlichkeit entwickelt hat.

Vor dem Hintergrund dieser Vorgänge soll das Forum 2016 einerseits unser Menschenbild und dessen Herausbildung hinterfragen sowie  die Fundamente unserer Vorstellung von Menschenwürde erkunden. Andererseits den Versuch unternehmen, bessere Wege zur Verteidigung von Menschenwürde und Menschenrechten erörtern.

Der Tradition des Forums entsprechend wird das Thema eher grundsätzlich angegangen. Zunächst sollen mit dem langen Blick der Humanevolution zurück die Herausbildung des modernen Menschen und seiner geistigen und biologischen Verfassung betrachtet werden. Dies, um heutige Haltungen und Verhaltensmuster besser zu verstehen. Auch unterschiedliche religiöse  Hintergründe und Traditionen werden angesprochen. Gleichzeitig soll das Generalthema auch mit den Realitäten unserer wirtschaftlichen Existenzsicherung am Beispiel eines global tätigen Unternehmens mit multiethnischer Belegschaft untersucht werden. Einen weiteren Perspektivwechsel nehmen wir mit dem Blick auf den Beitrag der Gegenwartskunst zur Formung und Spiegelung des Menschenbildes vor.

Im mittleren Teil der Vortragsreihe sollen die zuvor schon angesprochenen Konflikte und Widersprüche in der gegenwärtigen Weltentwicklung beispielhaft in den Blick genommen werden. Zunächst geht es um das Verhältnis von Gewalt und Fundamentalismus, insbesondere in dessen religiöser Ausprägung. Weiterhin sollen Menschenwürde und die Frage der Menschenrechte im Zusammenhang mit der anschwellenden Migrationsbewegung sowie die Chancen und Grenzen der Integration in der Ankunftsgesellschaft heraus gearbeitet werden. Ein Wirklichkeits-Check zum Thema Menschenrechte bringt die Ergebnisse von Untersuchungen internationaler Organisationen (u.a. UNO, Amnesty) zur Sprache.

Das dritte Segment der Vortragsreihe richtet den Blick stärker auf die künftige Entwicklung und den besseren Schutz von Menschenrechten in der Weltgesellschaft. Aus verfassungsrechtlicher Sicht wird die universelle Gültigkeit der Menschenrechte begründet und die bisherigen Mittel zu ihre Durchsetzung hinterfragt. Schaut man nach innen, wird die Frage gestellt, wie von starker Zuwanderung betroffene Gesellschaften das Problem einer veränderten Identität ihrer Bürger lösen werden. Die Vortragsreihe kehrt schließlich wieder zu grundlegenden Fragen der Humanevolution zurück und  fragt nach den möglichen Pfaden der künftigen Entwicklung des Menschen. Dies nicht zuletzt unter den Bedingungen eines verstärkten Einflusses von Medien und Manipulation.