Königsteiner Forum

2017 -Zeit des Umbruchs - Ende alter Gewissheiten?

Das Königsteiner Forum widmet sich im kommenden Jahr dem Thema „Umbrüche“. Umbrüche in der uns umgebenden Welt, an denen wir mitwirken und die auf uns zurückwirken. Umbrüche aber auch in unserer geistigen Verfassung, bis hin zu den religiösen Überzeugungen und Grundwerten. Drei gedankliche Segmente prägen die Vortragsreihe 2017.

Wir wollen zunächst auf die Entstehung der modernen Welt und des Geistes der Neuzeit zurückschauen. Diese Entwicklung, die vor etwa 500 Jahren verstärkt einsetzte, ist eng verbunden mit der Reformation, dem Buchdruck, der Aufklärung und weiteren Faktoren. Mit dieser Reihe nehmen wir somit auch auf das Reformationsjubiläum 2017 Bezug, ohne dies alleine in den Mittelpunkt zu stellen. Hinzu den Realitäten der Gegenwart führt ein zweiter historischer Beitrag, der der Untersuchung der Umbrüche und Krisen im vergangenen 20. Jahrhundert gewidmet ist.

Das zweite Segment der Reihe soll wichtige Umbrüche in den Blick nehmen und dies mit einer Analyse der zu erwartenden Wirkungen verbinden. Dabei interessieren uns besonders solche Prozesse, die unsere Lebenswelt stark verändern werden. So der kontinuierliche wissenschaftlich-technische Fortschritt, der nicht zuletzt mittels der Digitalisierung unsere Wirtschafts- und Arbeitswelt revolutionieren dürfte. Die Digitalisierung verändert offenbar auch unsere persönlichen Verhaltensmuster und berührt stark die Rolle der Familie in der Erziehung. Zugespitzt wird hier sogar von der Möglichkeit einer neuen Art der Gattung Mensch gesprochen. In Ansätzen schon erkennbar, schafft die digitale Revolution auch neue Realitäten für unser bisheriges demokratisch-parlamentarisches System. Das gilt für Informationen, Meinungsbildung, für Abstimmungsprozesse, aber auch für die Entstehung neuer Gruppierungen einschließlich populistischer Bewegungen.

Die Digitalisierung beinhaltet wie alle großen Umbrüche ebenso Chancen wie auch Risiken. Beides wollen wir betrachten. Eine besondere Brisanz gewinnt dieser Prozess jedoch daraus, dass seine Dynamik mit weiteren strukturellen Vorgängen zusammentrifft, die ausgesprochen bedeutsam sind. Zum einen haben wir seit Langem auf das sehr erfolgreiche Projekt der europäischen Einigung gesetzt, von dem wir wirtschaftlich stark profitiert haben und profitieren. Es stößt inzwischen auf deutlich vermehrte Skepsis und wird begleitet von Tendenzen zur stärkeren nationalen Interessenwahrung. Zum Zweiten sind unsere offenen Gesellschaften auf absehbare Zeit durch Terrorismus, neue Kriege und den Aufstieg autoritärer Regimes bedroht. Zum Dritten gelingt es trotz stärkerer internationaler Zusammenarbeit immer noch unzureichend, dem Klimawandel und der zunehmenden Ressourcenverknappung zu begegnen. Diese Entwicklung ist existenziell für die Welt und stellt eine Bedrohung auch unseres Wohlstandes dar.

Zeiten starker Umbrüche verunsichern viele Bürger, schaffen Abstiegsängste und führen zu politische Reaktionen. Hier ist es wichtig über Veränderungsprozesse aufzuklären, aber auch dazu beizutragen, eine Haltung zu diesen Prozessen zu entwickeln und Folgerungen zu ziehen. Hierzu gehört: Wie nehmen wir den Fortschritt in den Dienst der Menschen? Was sind grundlegende Werte unserer Gesellschaft, die es zu verteidigen gilt? Und: Was gibt dem Leben Sinn? Eine Frage, die uns wieder zurückführt zu unseren religiösen Überzeugungen.