Königsteiner Forum

2018 - Verunsicherte Gesellschaft. Mutlose Bürger. Destabilisiert sich unsere Demokratie?

Das Forum widmet sich im nun zu Ende gehenden Jahr 2017 dem Thema „Zeit des Umbruchs – Ende alter Gewissheiten?“ Dabei hat sich bestätigt, dass wir gegenwärtig eine besondere Häufung von Umbrüchen erleben, die von Technik, Wirtschaft, privatem Leben bis Klima reichen und die unsere vertraute Welt stark verändern werden.

Ob eine Gesellschaft sich solch starken Umbrüchen mutig stellt oder sich angstvoll wehrt bzw. sich in vermeintliche Sicherheiten zurückzieht, dürfte langfristig ihre Zukunftsfähigkeit bestimmen. Deshalb wollen wir den Blick im kommenden Jahr nicht mehr vorrangig auf die Veränderung der Lebensverhältnisse, sondern quasi nach „innen“ richten: Was kennzeichnet die Stimmung der Deutschen, ihre offenbar eher sorgenvolle Haltung zu den Veränderungen? Ist es Zukunftsangst? Bilden wir Deutsche heute regelrecht eine Art „Angstgesellschaft“, wie manche Forscher konstatieren? Was sind die Identitäten der Deutschen? Was hat die „Bundesrepublikaner“ seit den 50er und 60er Jahren geprägt? Welche Rolle spielt dabei die lange Phase faktisch eingeschränkter Souveränität der Bundesrepublik? Welche Wirkung haben bereits neue Formen der digitalen Stimmungserzeugung? Diese Fragestellungen sollen den ersten Teil unserer kommenden Vortragsreihe bestimmen.

Mit einer grundlegenden wissenschaftlichen Betrachtung zur Frage, was bei Menschen Angst auslöst, was sie aber auch ertüchtigt, wollen wir das zweite Segment der Vortragsreihe einleiten. Drei verbreitete und oft genannte Sorgen und Bedrohungsgefühle wollen wir anschließend genauer betrachten:

    -     Wirtschaftliche und soziale Abstiegsängste und die Realität
    -     Das Gefühl gefährdeter Sicherheit/ der Kriminalität und die Realität
    -     Die Sorgen um die Gesundheit und die Realität

Für keinen dieser Bereiche kann man die Berechtigung mancher Ängste und Sorgen ganz verneinen. Aber angesichts mancher Dramatisierung sollen sie quasi einem Realitätscheck unterworfen werden.

Im dritten Segment unserer Reihe wollen wir die Stimmung in unserer Gesellschaft in ihrer Beziehung zum Funktionieren unseres politischen Systems betrachten. Historische Erfahrungen zeigen, dass verbreitete Bedrohungsgefühle und Sorgen auch Veränderungen in der Politik vorantreiben können. Nicht selten rufen sie starke

Reaktionen hervor: so die  „Sehnsucht nach der starken Hand“ und den „einfachen Antworten“ auf komplexe Probleme. Dies sind Stichworte für Entwicklungen, die wir in mehreren europäischen Ländern beobachten konnten, wo traditionelle politische Konstellationen sich stark verändert haben, z.T. auch regelrecht implodiert sind. Vor diesem Hintergrund wollen wir uns in der Vortragsreihe 2018 abschließend der Schlüsselfrage des politischen Handelns zuwenden. Wie machen wir unser demokratisches System stark? Wie festigen wir nachhaltig das Bündnis von Bürger und Staat, machen aber auch Gesellschaft und Bürger wieder zu einer echten Einheit?