Königsteiner Forum

Die Ebene Arbeit und Einkommen: Wie verändert das digitale Zeitalter den Charakter und den Wert der Arbeit?

04. Mai 2020 / 20.00 Uhr / Prof. Dr. Ulrich Walwei, Vizedirektor Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg


Stichworte für Vortrag im Rahmen des Königsteiner Forums „Homo Digitalis“
von Ulrich Walwei

•    Digitalisierung ist einer der wesentlichen Treiber für Veränderungen von Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Zu nennen sind daneben    Globalisierung, Klimaschutz, Demographie und Wertewandel. Die Treiber interagieren auf vielfältige Weise.   
•    Grundsätzlich hat jedweder technologische Fortschritt gleichzeitig arbeitsplatzsparende und arbeitsplatzschaffende Effekte 
•    Die digitale Transformation wird, nach den vorliegenden Befunden, keine weitreichenden Arbeitsplatzverluste nach sich ziehen
•    Die Digitalisierung wird aber - nach aller Voraussicht - den Strukturwandel der Beschäftigung erheblich beschleunigen. Es werden sich teils beträchtliche Verschiebungen zwischen Sektoren, Berufen, Qualifikationsanforderungen, und Lohngruppen ergeben
•    Das Verarbeitende Gewerbe wird weiter an Bedeutung verlieren und unternehmens- sowie personenbezogene Dienstleistungen stärkeres Gewicht bekommen
•    Humankapitalintensive Berufe werden vermutlich die stärksten Zuwächse verzeichnen
•    Bei den Qualifikationsanforderungen dürften Arbeitsplätze, die eine Berufsausbildung voraussetzen, absolut die stärksten Rückgänge verzeichnen
•    Der Wegfall von Industriearbeitsplätzen trifft vor allem Beschäftigte, die über keinen akademischen Abschluss verfügen. Hierdurch könnte sich eine stärkere Polarisierung der Lohnstruktur ergeben.
•    Durch das Wachstum der Plattformökonomie gewinnen selbständige Erwerbsformen, auch in Nebentätigkeit, an Bedeutung
•    Die gestiegenen Möglichkeiten eines zeit- und ortsgebundenen Arbeitens schaffen neue Flexibilitätsspielräume, bergen aber auch das Risiko einer Entgrenzung von Arbeit und Freizeit. 
•    Das Risiko von Mismatch, also einer fehlenden Passung von Stellen- und Bewerberprofilen, könnte durch das Tempo der Transformation wachsen
•    Menschen mit geringer formaler Qualifikation und einer – technologisch bedingten – Entwertung des Humankapitals laufen Gefahr, nicht im Arbeitsmarkt verbleiben zu können und nur über geringe Zugangschancen in Beschäftigung zu verfügen
•    Einer verbesserten Bildung auf allen Ebenen, von der frühkindlichen Förderung, über Schule, Berufsausbildung, Universität und bis hin zur Weiterbildung, kommt eine Schlüsselrolle zu.
•    Gefragt sind künftig neben den digitalen Kompetenzen vor allem nicht-digitalisierbare Kompetenzen.
•    Es geht also künftig nicht allein um eine Optimierung von Mensch-Maschine-Kompetenzen, sondern gerade auch um die Fähigkeiten und Kenntnisse, die den Menschen in seiner Einzigartigkeit auszeichnen.