Prof. Dr. Tanja A. Börzel ist Professorin für Politikwissenschaft und leitet die Arbeitsstelle Europäische Integration am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin. Sie ist Sprecherin des Exzellenzclusters „Contestations of the Liberal Script“. Außerdem ist sie Direktorin des Berlin Centers of European Studies, zu dem das Jean Monnet Center of Excellence „The EU and ist Citizens“ gehörte. Schließlich ist sie derzeit Dekanin des Fachbereichs Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität Berlin.
Professor Börzel promovierte 1999 im Fach Politikwissenschaft am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz. Zwischen 1999 und 2004 forschte und lehrte Prof. Dr. Börzel an der Max-Planck-Projektgruppe Recht der Gemeinschaftsgüter in Bonn, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität Heidelberg.
Die Forschungsschwerpunkte sowie die Lehrerfahrung von Professor Börzel liegen in der Europäischen Integrations-, Governance- und Diffusionsforschung. Sie hat sich vor allem mit Fragen institutionellen Wandels als Folge der Europäisierung sowie der Diffusion europäischer Institutionen und Politikprogramme in und außerhalb der EU beschäftigt. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Forschung bilden Fragen des effektiven und legitimen Regierens ohne Staat sowie Anfechtungen liberaler Normen wie die Wissenschaftsfreiheit in demokratischen Gesellschaften.
Zu ihren neueren Publikationen zählen “Effective Governance Under Anarchy. Institutions, Legitimacy, and Social Trust in Areas of Limited Statehood,” verfasst gemeinsam mit Thomas Risse (Cambridge University Press 2021), “Why Noncompliance. The Politics of Law in the European Union” (Cornell University Press 2021), “The Liberal Script at the Beginning of the 21st Century. Conceptions, Components, and Tensions”, gemeinsam herausgegeben mit Johannes Gerschewski, und Michael Zürn (Oxford University Press), sowie “Polarization and Deep Contestations: The Liberal Script in the United States”, gemeinsam herausgegeben mit Thomas Risse, Stephanie Anderson, und Jean Garrison (Oxford University Press).
Hat unsere freiheitliche Demokratie eine Zukunft? Externe und interne Herausforderungen für eine liberale internationale Ordnung
Demokratien stehen unter Druck – nicht nur durch äußere Kräfte, sondern zunehmend auch aus dem Inneren ihrer eigenen Gesellschaften. Parteien und Bewegungen stellen Prinzipien und Institutionen infrage, die Freiheit und Demokratie tragen. Zu den stärksten Triebkräften hinter diesen Kontestationen gehören autoritär-populistische Parteien, die grundlegende freiheitliche Werte herausfordern, wie die Gewaltenteilung, Pressefreiheit, eine autonome Zivilgesellschaft und die Unabhängigkeit wissenschaftlicher Institutionen. Sie lehnen außerdem die „Liberale Internationale Ordnung“ (LIO) – wie sie von den USA und ihren westlichen Verbündeten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zur Absicherung ihrer freiheitlichen Gesellschaftsmodelle gestaltet wurde –, als unzulässige Beschränkung staatlicher Souveränität ab. Während autoritäre Kräfte innerhalb und außerhalb freiheitlicher Demokratien den Rückbau der LIO betreiben, fordern interne Kritiker vor allem aus dem linken politischen Spektrum, aber auch dem Global Süden, ihren Umbau, damit sie ihre liberalen Versprechen von Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit global einlöst.
Der Vortrag beginnt mit einem kurzen Überblick über die Entstehung und Entwicklung der LIO. Es folgt eine Analyse der gegenwärtigen Herausforderungen, die zunehmend aus dem Kreis der liberalen Demokratien selbst kommen. Als zentrale Ursache für die sich verschärfenden Kontestationen wird die LIO selbst ausgemacht. Der Vortrag schließt mit einer Diskussion möglicher Konsequenzen externer und interner Herausforderungen für liberale Ordnungsmodelle, sowohl auf der internationalen als auch der nationalen Ebene.
