Matthias C. Kettemann leitet den Forschungsschwerpunkt Neue Technologien und Zukunft des Rechts am Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG). Zudem hat er die Professur für Innovation, Theorie und Philosophie des Rechts am Institut für Theorie und Zukunft des Rechts der Universität Innsbruck inne. Am Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut leitet Kettemann das Forschungsprogramm “Regelungsstrukturen und Regelbildung in digitalen Kommunikationsräumen”. Sein Team beschäftigt sich mit den Regeln, unter denen in digitalen Kommunikationsräumen und besonders in sozialen Netzwerken neue Foren und Praktiken der gesellschaftlichen Verständigung und Selbstvergewisserung entstehen.
Er leitet auch das Innsbruck Quantum Ethics Lab, ist Mitglied des Vorstands und Forschungsgruppenleiter für „Platform and Content Governance“ am Sustainable Computing Lab, Wirtschaftsuniversität Wien. Er war mehrfach als Sachverständiger für digitales Recht und Technologiegovernance im Bundestag und hat u.a. den Europarat, die UNESCO und die OSZE und Außen-, Bildungs- und Technologieministerien in mehreren Staaten beraten.
Nach Studien der Rechtswissenschaften in Graz, Genf und als Fulbright und Boas-Stipendiat an der Harvard School promoviert er mit einer Arbeit zur Rechtsstellung des Individuums im Völkerrecht. 2014 wurde er als Postdoktorand an das Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt gerufen, wo er sich bei Prof. Kadelbach und Prof. Vesting am Institut für Öffentliches Recht der Goethe-Universität Frankfurt am Main mit einer Arbeit zur normativen Ordnung des Internets habilitierte und die Lehrbefugnis für Völkerrecht, Internetrecht und Rechtstheorie erhielt. Nach Vertretungen in Heidelberg und Jena folgte er im Herbst 2021 dem Ruf nach Innsbruck.
Der Vortrag zeigt, wie die Europäische Union mit einem dichten Geflecht aus Verordnungen und Richtlinien zu Daten, KI, sozialen Medien, digitalen Märkten, Cybersecurity und der Medienfreiheit unsere digitale Gegenwart strukturiert und unsere digitale Zukunft normativ vorzeichnet. Europäische Digitalregulierung folgt dabei einem klaren Leitbild: Innovation ermöglichen, Märkte offenhalten und zugleich Grundrechte, Sicherheit und Vertrauen sichern. Daten, Plattformen, KI und Cybersecurity werden nicht isoliert reguliert, sondern als miteinander verflochtene Infrastruktur einer digitalen Gesellschaft verstanden. Europas Ansatz ist damit weder technologiefeindlich noch deregulativ, sondern ein Modell regulierter Digitalität im Zeichen von Verantwortung, Resilienz und Rechtsstaatlichkeit. Dass passt den USA aktuell nicht so, die zum Frontalangriff auf Europas Digitalregeln geblasen haben - gerade deswegen ist es aber gut, dass wir sie haben.
