Hermann Ludwig Möller ist Direktor des Europäischen Weltraumpolitik-Instituts (ESPI) in Wien, dem europäischen Thinktank für Weltraumpolitik, der die europäische Weltraumpolitik weltweit fördert. Das ESPI entwickelt Konzepte für die europäische Weltraumpolitik und gibt Empfehlungen an europäische Entscheidungsträger und Institutionen. Vor seinem Eintritt ins ESPI bekleidete er leitende Positionen bei der ESA, wo er maßgeblich an der Entwicklung von EU Copernicus und der Vorbereitung der EU-Initiative für sichere Konnektivität beteiligt war. Er leitete das Büro für Telekommunikationsstrategie, -programme und -transformation sowie das Copernicus-Weltraumsegmentbüro. In diesen Funktionen agierte Herr Möller mit hoher Führungskompetenz in einem komplexen politischen Umfeld mit vielen Akteuren, darunter nationale Raumfahrtagenturen, Mitgliedstaaten und Delegationen in öffentlich-privaten Partnerschaften mit der Industrie, auf EU-Ebene und bei EUMETSAT. Zuvor war er ESA Douglas Marsh Fellow bei der NASA und wirkte am Aufbau des europäischen Internet-Backbones mit. Seine ersten Berufserfahrungen sammelte er im Hauptsitz des Europäischen Patentamts und im Hauptsitz von Siemens.
„Die europäische Weltraum-Strategie – ein Schlüssel zur Souveränität der EU“
Geopolitische und geoökonomische Herausforderungen im Osten und Westen haben den Weltraum ins Zentrum der globalen Debatte gerückt. Es gilt, die Rolle Europas, die Sicherung souveräner Fähigkeiten und der Freiheit des eigenen Handelns auch in der Raumfahrt neu zu definieren und umzusetzen.
Dies betrifft im Wesentlichen drei Bereiche:
- Europas digitale Souveränität, die Kommerzialisierung des Weltraums als Kernelement der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft sowie des Internets der Zukunft ─ heute vorangetrieben und zunehmend dominiert von SpaceX und dessen kürzlich erfolgtem Börsengang
- die zentrale Rolle der Raumfahrt für Sicherheit, Verteidigung und Außenpolitik, einschließlich der Militarisierung des Weltraums selbst, sowie die 35-Milliarden-Euro-Investition des deutschen Verteidigungsministeriums auch im europäischen Kontext
- das neue Rennen zwischen den USA und China zum Mond angesichts der veränderten Position der NASA und einschließlich der sicherheitsrelevanten Dimension des cislunaren Raums.
Das effektive Zusammenwirken aller Akteure auf EU-Ebene, der ESA, nationaler Agenturen und Regierungen sowie einer wettbewerbsfähigen europäischen Industrie unter Einbeziehung der Digital- wie auch der Verteidigungsindustrie wird dabei entscheidend sein.
Die Agilität des Handelns und zeitnahe, gezielte Maßnahmen, um öffentliche Investitionen zur Stimulierung der Finanzmärkte für Skalierung zu nutzen, werden über Erfolg oder Misserfolg entscheiden, wenn es darum geht, eine europäische Weltraumstrategie in den Dienst der europäischen Souveränität zu stellen.
Letztlich erfordert dies auch, Europas Fähigkeit zur eigenständigen, unabhängigen Reflexion zu sichern, angesichts des zunehmenden Einflusses ausländischer politischer Akteure und digitaler Giganten auf die Gestaltung von Politik in Europa.
